Bäuerlich-ökologische Landwirtschaft auf dem Rinderhof - unsere "Mission"

 

 

Der Rinderhof mit seinen Flächen, Gebäuden, Tieren und technischen Ausstattungen ist uns für einige Zeit anvertraut. Wir haben das Recht und die Pflicht entsprechend den Gegebenheiten und unseren Fähigkeiten den Rinderhof weiterzuentwickeln und für die dort tätigen Menschen eine Plattform für ihre Entwicklung zu bieten. Unsere Leitlinien folgen der Idee eines "resilienten" Betriebsorganismus, d.h., der Betrieb stabilisiert sich aus sich heraus:

 

 

Die Menschen und der Erfolg.

 
  Die Arbeit auf dem Hof soll für alle beteiligten Menschen eine erfüllende Aufgabe sein. Die Organisation richtet sich danach, wie die Fähigkeiten der Mitarbeiter am besten zu den betrieblichen Erfordernissen passen. Strategische Entscheidungen werden von mehreren Personen getragen, in der organisatorischen Abwicklung hat der einzelne großen Freiraum.  
  Viele Nachbar-Landwirte sind in die Bewirtschaftung einbezogen, sozusagen als "feste freie Mitarbeiter". Fast alle bewirtschaften ihre eigenen Höfe konventionell und bekommen am Rinderhof Einblick in die ökologische Wirtschaftsweise. Dadurch wächst das Verständnis füreinander.  
     
  Die Bemühungen und Leistungen des Rinderhofes und der dort arbeitenden Menschen sollen Anerkennung finden. Wir suchen Kunden, die unsere Bemühungen schätzen.  
  Die Menschen, die am Rinderhof arbeiten, berichten gerne - und wie berichtet wird, offen und positiv - in ihrem jeweiligen Umfeld über die Arbeit am Rinderhof. Es werden Kunden gesucht, die Verständnis für das Entstehen von Agrarprodukten haben und damit variierende Qualitäten akzeptieren: Nicht jede Kartoffel ist perfekt, und bei den Rindern gibt es auch kräftige und schlanke.Eine besondere Anerkennung efuhr unsere Arbeit dadurch, dass uns im Frühjahr 2016 Flächen angeboten wurden, die wir auf ökologischen Landbau umstellen werden.  
     
  Wir reden über Landwirtschaft und Ernährung. Soweit es möglich ist, betreuen wir gerne Studenten und Schüler und zeigen den Berufskollegen, wie wir wirtschaften. Wir beteiligen uns an Diskussionen im Berufsstand und in Umweltverbänden und engagieren uns bei der Weiterentwicklung des Ökologischen Landbaus.  
     
  Der Betrieb soll sich organisch weiterentwickeln.  
  Das kann ein Wachstum nach aussen oder auch eine Intensivierung der inneren Prozesse bedeuten. Es wird besonderer Wert darauf gelegt, Sprünge in der Betriebsentwicklung möglichst zu vermeiden. In den vorangegangenen Jahren wurde der Kartoffelanbau in Richtung Frühkartoffeln entwickelt, die Saatgetreideproduktion und Aufbereitung wurde aufgenommen und als Rinderrasse das japanische Rind "Wagyu" eingekreuzt. In den letzten Jahren wurde die Kartoffelzüchtung in den Betrieb integriert. Die neu hinzukommenden Flächen stellen stellen uns vor neue Aufgaben: neue Kulturen für anmoorige Flächen, höhere Mengen an Ertegütern, die gelagert und aufbereitet werden sollen, neue Machinen und Geräte, neue Mitarbeiter. Was werden die nächsten Schritte sein?  
     
  Der Hof als ganzes muss wirtschaftlich erfolgreich sein.  
  Dabei kann akzeptiert werden, dass die Rinderhaltung für sich wenig profitabel ist, aber durch den Anbau von Kleegras und die Produktion von Stallmist den Kartoffelbau wesentlich stützt. Die Pflege der Feuchtwiesen ist betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, stellt aber eine gesellschaftlich gewünschte Leistung dar, die am sinnvollsten von Mutterkuhbetrieben - wie dem Rinderhof - erbracht wird.  
   
Der Rinderhof soll lebendig und fruchtbar sein - und die Fruchtbarkeit weitergeben. Wir wollen, dass alles wächst und gedeiht! Und gute Frucht bringt.  
     
  Die Böden sind das entscheidende Medium allen Wachstums, des Gedeihens von Pflanzen, Tieren und Menschen. Der Boden gibt seine Fruchtbarkeit weiter an die Pflanzen, diese an Tiere und Menschen. Der Boden bekommt Fruchtbarkeit zurück von den Pflanzen und Tieren - ein Kreislauf des Lebens. Das geht viel weiter als der oft bemühte "Stoffkreislauf". Wir geben Lebens-Mittel weiter an Menschen ausserhalb unseres Betriebes. Aber auch: Die damit verbundenen Stoffe - z.B. Phosphor - müssen über kurz oder lang wieder auf den Betrieb zurückfließen.  
     
  Für uns ist ein Hof mit Rinderhaltung, bei der die Tiere fruchtbar sind und Kälber zur Welt bringen, der Königsweg in der Landwirtschaft. Im Pansen von Rindern leben wiederum Milliarden von Lebewesen, die Fruchtbarkeit erzeugen. Wir halten an der Rinderhaltung fest, auch wenn es anstrengend und finanziell - kurzfristig gesehen - nicht ertragreich ist. Unserer Überzeugung nach müssen wir zu einer Integration von Tierhaltung - Ackerbau - Gemüsebau kommen, zu einer Art intensivem "Gärtnerhof".  
  Die Ackerflächen werden mit dem Stallmist (Tiefstreumist) aus unserer Mutterkuhhaltung und der "Gülle", die auf dem nicht überdachten Laufhof entsteht und deshalb sehr niedrige TS- und N-Gehalte hat, gedüngt. Die Wiesen erhalten keine organische Düngung, auf den Weiden verbleiben die Ausscheidungen der Tiere und damit besteht dort ein geschlossener Kreislauf. Mineralische Phosphor - oder Kaliumdünger werden dann eingestzt, wenn die Versorgungsstufe auf Klasse A abfällt. Mineralischen N-Dünger sind im ökologischen Landbau tabu.

 

     
  Die Pflanzen sollen fruchtbar sein. Wir streben an, dass die Kulturpflanzen wachsen und gedeihen und hohe Erträge mit guten Qualitäten bringen. Auch deshalb sind wir in der Erzeugung von Saat- und Pflanzgut für andere Biobauern tätig, damit geben wir Fruchtbarkeit weiter. Wir hängen dabei dem alten bäuerlichen Ideal an!  
  Wir wollen, dass unser Land möglichst nutzbringend für die Menschen ist. Und unser Einsatz und der Einsatz an Maschinen und fossilen Energien möglichst effizient ist. Möglichst hohe Output/Intput -Relationen sind für uns wichtige Erfolgskriterien. Bei den Getreidekulturen - bes. bei Weizen - ist das eine schwierige Aufgabe,. Da sehen wir noch viel Potential!  
 

 

   
Negative Umweltauswirkungen unseres landwirtschaftlichen Wirtschaftens sollen möglichst vermieden werden. Der Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist geprägt vom Wissen um ihre Fragilität und Endlichkeit.  
  Wir versuchen, die Böden nicht zu schädigen und Erosion und Verdichtung zu vermeiden.  
  Sandböden, wie sie am Rinderhof vorkommen, haben natürlicherweise einen geringen Gehalt an organischer Substanz und weisen kaum stabile Aggregate auf. Frische organische Substanz wird schnell umgesetzt, die Böden sind "Durchlauferhitzer". Wir gehen davon aus, dass die Fruchtbarkeit und nachhaltige Ertragsfähigkeit dieser Böden durch die Zufuhr von organischer Substanz wesentlich gesteigert werden kann. Auch deshalb halten wir an der Rinderhaltung mit Einstreu von viel Stroh fest.  
     
  Wasser wird künftig auch bei uns eine knappe Ressource werden. Wir bemühen uns um einen sparsamen Verbrauch und eine möglichst hohe und qualitativ gute Sickerwassermenge.  
  Beregnungswasser wird sparsam eingesetzt. Die Düngung mit stickstoffhaltigen organischen Düngern und der Umbruch von stickstoffbindenden Leguminosen erfolgt in einer Weise, dass die Verlagerung von Nitrat mit dem Sickerwasser minimiert wird.  
     
  Wir sind uns bewusst, dass Energie ein knappes Gut ist.  
  Auf den Dächern des Rinderhofes befindet sich eine Sonnenstromanlage mit einer Leistung von 160 kWp.  
   
Wir sind überzeugt: Die Erhaltung der Biodiversität wird weltweit das bedeutenste Thema der nächsten Jahrzehnte sein. Am Rinderhof wird wollen wir zum Erhalt und zur Förderung der Vielfalt beitragen: wir streben eine Vielfalt von genutzten und ungenutzten Flächen an, eine Vielzahl von Wildpflanzen und -tieren, von Kulturarten und von Sorten bzw.Rassen.  
 

Der Rinderhof hat viele naturnahe Flächen. Hecken, von denen wir mehre Kilometer haben, enthalten alle hier standortstypischen Sträucher und Bäume - fast ein Arboretum! Grasstreifen und Raine werden nur einmal im Jahr gemäht und weisen deshalb eine vergleichsweise hohe Vielfalt auf. Blühstreifen entlang von Wegen bringen Farbe und Nahrungsangebot für die Tierwelt. Extensive Wiesen und vielfältige Wälder schließen sich an die Ackerflächen an. Eingebettet in unsere Landschaft sind fünf Weiher, die nicht genutzt werden und deshalb eine vielfältige Fauna aufweisen. Unmittelbar benachbart ist eine Kiesgrube, in der es Lebensräume für trockenheitsliebende und auf Störung angewiesene Arten gibt. Gelbbauchunke, Schleiereule, Kauz und Fledermäuse fühlen sich hier wohl. Entlang der Paar werden mehr als 30 ha Feuchtwiesen im Rahmen von Naturschutzprogrammen einmal jährlich gemäht und damit vor der Verbuschung bewahrt. Es ist ein erklärtes Betriebssziel, im Bereich der Biodiversität in den nächsten Jahren noch deutlich voranzukommen.

Zugegebenermaßen kommen wir beim Schutz der Wildtiere an Grenzen: bei den Wildschweinen hätten wir gerne, dass sie uns lediglich besuchen und sich auch wie Besucher - rücksichtsvoll - verhalten. Allerdings ist der Rinderhof und die Umgebung offensichtlich sehr interessant für Schweine: ein Mosaik von Wäldern mit Eichen und Unterwuchs, von Teichen und Gräben, von Wiesen und Äckern mit Köstlichkeiten wie Bio-Kartoffeln und Mais! Die Schäden gehen inzwischen in die Tausende Euro pro Jahr und werden von Jahr zu Jahr höher.

Max Kainz beschäftigt sich auch wissenschaftlich mit der Leistung des Ökologischen Landbaus für Biodiversität.

 
     
  Wir streben an, dass durch unsere Bewirtschaftung eine hohe Agro-Biodiversität entsteht. Wir bauen als Kulturen Kleegras mit Weißklee, Rotklee, Luzerne und 5 Grasarten, 2 Kartoffelarten (wir sind einer der ganz wenigen Betriebe, die ausser Solanum tuberosum auch Solanum phureja anbaut!) an, seit Jahren mehrere Getreidearten, Mais und einige Heilpflanzen mit einer sehr großen Zahl von Sorten (genetische Diversität): 8 Getreidesorten (2015) und mehrer als tausend Kartoffelaccessionen - davon über 10 in wirtschaftlich bedeutsamen Umfang. Die Bodenbearbeitung und die Regulierung der Wildkräuter in den Kulturpflanzenbeständen wird so durchgeführt, dass stets einige Individuen zur Vermehrung kommen und die Bodentiere möglichst geschont werden. Bei der Mahd des Kleegrases und der Wiesen und bei der Bodenbearbeitung wird darauf geachtet, Wildtiere (auch Regenwürmer) möglichst wenig zu stören.Die Feldränder und Grasraine werden nicht alle zur gleichen Zeit und in gleicher Weise "gepflegt", sondern abschnittsweise gemäht.  

Den Tieren und Pflanzen erkennen wir einen Eigenwert zu. Deshalb sollen unsere Nutztiere möglichst wesensgerecht gehalten werden und die Nutzpflanzen dürfen arttypisch wachsen.

 

 

Diese Ziele werden derzeit mit folgenden Kulturen bzw. Sorten umgesetzt:

Im Erntejahr 2016 werden auf A- und U-Flächen angebaut (Stand: Mai 2016):

46 %

Leguminosen (als Hauptfrucht) (z.T. auf U-Flächen)
  29 % Luzerne-Klee-Gras
  14 % Erbsen
  1 % Lupinen, Versuchsanbau
  1 % Soja, Versuchsanbau
  1 % Ackerbohnen, zur Erzeugung von Zwischenfrucht-Saatgut
23 % Kartoffeln
  8 % Pflanzkartoffeln (Sorten: Avanti, Ditta, Musica, Linda und Agria)
  9 % frühe Speisekartoffeln (Sorten: Avanti, Colomba, Finka, Musica)
  6 %

sonstige Speisekartoffeln (Sorten: Nicola, Ditta); farbige Kartoffeln

21 % Getreide (z.T. zur Saatgutgewinnung)
  15 % Winterdinkel
  3 % Sommerweizen (im Herbstanbau)
  1 % Sommertritikale
  1 % Sommerroggen
  1 % Sandhafer
8 % Mais (Silomais), Sorten Ronaldinho, Grosso, Osterbi und Yukon, dazu ca. 20% der Frühkartoffelfläche mit Zweitfrucht-Mais
1 % Buchweizen
   
1 %

chinesische Heilpflanzen (TCM-Pflanzen): Glycorrhiza uralensis, Glycorrhiza glabra und Blühflächen

einer von mehreren naturnahen Weihern Storch und Rinderhof Storch zu Besuch auf dem Kleegras-Acker