Ökologische Landwirtschaft auf dem Rinderhof - Grundsätze
Bei der Gestaltung und Bewirtschaftung des Rinderhofs leiten uns die folgenden Grundsätze:
| Die Mitarbeiter und das Geld. | ||
| Die Arbeit auf dem Hof soll für alle beteiligten Menschen eine erfüllende Aufgabe sein. Die Organisation richtet sich danach, wie die Fähigkeiten der Mitarbeiter am besten zu den betrieblichen Erfordernissen passen. Strategische Entscheidungen werden von mehreren Personen getragen, in der organisatorischen Abwicklung hat der einzelne großen Freiraum | ||
| Der Rinderhof hat einen fest angestellten Mitarbeiter. Es sind viele Nachbar-Landwirte in die Bewirtschaftung einbezogen, sozusagen als "feste freie Mitarbeiter". Fast alle bewirtschaften ihre eigenen Höfe konventionell und bekommen am Rinderhof Einblick in die ökologische Wirtschaftsweise. Dadurch wächst das Verständnis füreinander. | ||
| Es werden Strukturen geschaffen, in denen die Bemühungen und Leistungen des Rinderhofes und der dort arbeitenden Menschen Anerkennung finden. | ||
| Die Menschen, die am Rinderhof arbeiten, berichten gerne - und wie berichtet wird, offen und positiv - in ihrem jeweiligen Umfeld über die Arbeit am Rinderhof. Es werden Kunden gesucht, die Verständnis für das Entstehen von Agrarprodukten haben und damit variierende Qualitäten akzeptieren. | ||
| Wir reden über Landwirtschaft und Ernährung. Soweit es möglich ist, betreuen wir gerne Studenten und Schüler und zeigen den Berufskollegen, wie wir wirtschaften. Wir beteiligen uns an Diskussionen im Berufsstand und in Umweltverbänden und engagieren uns bei der Weiterentwicklung des Ökologischen Landbaus, u.a. an der TUM in Weihenstephan. | ||
| Der Betrieb soll sich organisch weiterentwickeln. | ||
| Das kann ein Wachstum nach aussen oder auch eine Intensivierung der inneren Prozesse bedeuten. Es wird besonderer Wert darauf gelegt, Sprünge in der Betriebsentwicklung möglichst zu vermeiden. In den letzten Jahren wurde der Kartoffelanbau in Richtung Frühkartoffeln entwickelt, die Saatgetreideproduktion und Aufbereitung wurde aufgenommen und als Rinderrasse das japanische Rind "Wagyu" eingekreuzt. | ||
| Der Hof als ganzes muss wirtschaftlich erfolgreich sein. | ||
| Dabei kann akzeptiert werden, dass die Rinderhaltung für sich wenig profitabel ist, aber durch den Anbau von Kleegras und die Produktion von Stallmist den Kartoffelbau wesentlich stützt. Die Pflege der Feuchtwiesen ist betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, stellt aber eine gesellschaftlich gewünschte Leistung dar, die am sinnvollsten von Mutterkuhbetrieben - wie dem Rinderhof - erbracht wird | ||
| Negative Umweltauswirkungen unseres landwirtschaftlichen Wirtschaftens werden möglichst vermieden. Der Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist geprägt vom Wissen um ihre Fragilität und Endlichkeit. | ||
| Die Böden sind das entscheidende Medium allen Wachstums, des Gedeihens von Pflanzen, Tieren und Menschen. Wir versuchen Schädigungen durch Erosion und Verdichtung möglichst gering zu halten und die Fruchtbarkeit der Böden durch Fruchtfolge, Humuswirtschaft und sorgsame Bodenbearbeitung zu vermehren. | ||
| Sandböden, wie sie am Rinderhof vorkommen, haben natürlicherweise einen geringen Gehalt an organischer Substanz und weisen kaum stabile Aggregate auf. Frische organische Substanz wird schnell umgesetzt, die Böden sind "Durchlauferhitzer".Wir gehen davon aus, dass die Fruchtbarkeit und nachhaltige Ertragsfähigkeit dieser Böden durch die Zufuhr von organischer Substanz wesentlich gesteigert werden kann. Auch deshalb halten wir an der Rinderhaltung mit Einstreu von viel Stroh fest. | ||
| Wasser wird künftig auch bei uns eine knappe Ressource werden. Wir bemühen uns um einen sparsamen Verbrauch und eine möglichst hohe und qualitativ gute Sickerwassermenge | ||
| Beregnungswasser wird sparsam eingesetzt. Die Düngung mit stickstoffhaltigen organischen Düngern und der Umbruch von stickstoffbindenden Leguminosen erfolgt in einer Weise, dass die Verlagerung von Nitrat mit dem Sickerwasser minimiert wird. | ||
| Wir sind uns bewusst, dass Energie ein knappes Gut ist. | ||
| Auf den Dächern des Rinderhofes befindet sich eine Sonnenstromanlage mit einer Leistung von 160 kWp. | ||
| Die Erhaltung der Biodiversität wird künftig weltweit an Bedeutung gewinnen. Es wird am Rinderhof versucht, eine Bewirtschaftung durchzuführen, die auch die Biodiversität im Blick hat. Mit Maßnahmen der Landschaftsgestaltung werden vielfältige Habitate geschaffen. | ||
| Wir streben an, dass durch unsere Bewirtschaftung eine hohe Vielfalt entsteht. Wir bauen als Kulturen Kleegras mit Weißklee, Rotklee, Luzerne und 5 Grasarten, 2 Kartoffelarten(wir sind einer der ganz wenigen Betriebe, die ausser Solanum tuberosum auch Solanum phureja anbaut!), 3 bis 4 Getreidearten, Mais und einige Heilpflanzen mit einer sehr großen Zahl von Sorten (genetische Diversität) mit derzeit 7 Getreidesorten und bis zu 100 Kartoffelsorten an. Die Bodenbearbeitung und die Regulierung der Wildkräuter in den Kulturpflanzenbeständen wird so durchgeführt, dass stets einige Individuen zur Vermehrung kommen und die Bodentiere möglichst geschont werden. Bie der Mahd des Kleegrases und der Wiesen und bei der Bodenbearbeitung wird darauf geachtet, Wildtiere (auch Regenwürmer) möglichst wenig zu stören.Die Feldränder und Grasraine werden nicht alle zur gleichen Zeit und in gleicher Weise "gepflegt", sondern abschnittsweise gemäht. Neben Äckern, feuchten und trockenen Wiesen und Weiden umfasst der Rinderhof einige km Hecken, die alle heimischen Strauch- und Baumarten beherbergen. 5 ungenutzte Teiche bieten Wasserpflanzen und -tieren, aber auch Vögeln (u.a. Schleiereule) und Fledermäusen Lebensraum. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es Sandgruben und lichte, vilefältig strukturierte Wälder. | ||
Den Tieren und Pflanzen erkennen wir einen Eigenwert zu. Deshalb sollen unsere Nutztiere möglichst wesensgerecht gehalten werden und die Nutzpflanzen dürfen arttypisch wachsen. |
||
Die Fruchtarten und deren Abfolge auf unseren Äcker ist den Standortvoraussetzungen angepaßt und wird je nach den Herausforderungen des Marktes weiterentwickelt.
Im Erntejahr 2011 wurden auf ca. 100 ha angebaut (Stand: August 2011):
| 27 % |
Leguminosen (als Hauptfrucht) | |
| 16 % | überjähriges Kleegras | |
| 3 % | Sommerkleegras | |
| 8 % | Erbsen (zur Saatgutgewinnung) | |
| 35 % | Kartoffeln | |
| 12 % | Pflanzkartoffeln (Sorten: Solist, Ditta, Nicola, Megusta und Agria) | |
| 23 % | frühe Speisekartoffeln (Sorten: Solist, Magda; Agila, Musica) und Lagerkartoffeln (Agria, Jelly, Nicola, Ditta) | |
| 26,5 % | Getreide zur Saatgutgewinnung | |
| 8,5 % | Wintergerste (Sorten: Fridericus und Semper) | |
| 0 % | Winterroggen | |
| 0 % | Dinkel | |
| 18 % | Winterweizen (Sorten: Wiwa, Florian und Akratos) | |
| 10 % | Mais (Silomais nach Roggen, der als Ganzpflanze geerntet wird) |
| 1,5 % | chinesische Heilpflanzen (TCM-Pflanzen): Saposhnikovia div., Astragalus mong., Xanthium sib. |
Die Ackerflächen werden mit dem Stallmist (Tiefstreumist) aus unserer Mutterkuhhaltung und der "Gülle", die auf dem Laufhof entsteht und deshalb sehr niedrige TS- und N-Gehalte hat, gedüngt. Die Wiesen erhalten keine organische Düngung, auf den Weiden verbleiben die Ausscheidungen der Tiere und damit besteht dort ein geschlossener Kreislauf. Mineralische Phosphor - oder Kaliumdünger werden dann eingestzt, wenn die Versorgungsstufe auf Klasse A abfällt. . Mineralischen N-Dünger sind im ökologischen Landbau tabu.
Der Rinderhof hat viele naturnahe Flächen. Die Ackerflächen östlich des Rinderhofs sind von Hecken gesäumt, die alle standortstypischen Sträucher und Bäume enthalten - fast ein Arboretum!. Extensive Wiesen und vielfältige Wälder schließen sich an. Eingebettet sind mehrere Weiher, die nicht genutzt werden und deshalb eine vielfältige Fauna aufweisen. Schleiereule, Kauz und Fledermäuse fühlen sich hier wohl. Entlang der Paar werden mehr als 30 ha Feuchtwiesen einmal jährlich gemäht und damit vor der Verbuschung bewahrt. Ziel der Bewirtschaftung ist es, ein hohes Maß an (struktureller) Biodiversität zu erhalten. Max Kainz beschäftigt sich auch wissenschaftlich mit der Leistung des Ökologischen Landbaus für Biodiversität.
| einer von mehreren naturnahen Weihern | Storch und Rinderhof | Storch zu Besuch auf dem Kleegras-Acker |